Und da stehen bzw hängen sie übereinander gestapelt bis unter die Gewölbedecke. Meist mit schlechter Körperhaltung, ungelenk, seltsam verdreht mit hängenden Köpfen, Schädel mit verzerrt geöffneten Mündern, Augenhöhlen lugen unter Kapuzen hervor, Hautfetzen lösen sich vom Knochen…
Um die 2000 Menschen aus drei Jahrhunderten wurden von den Kapuzinern in dieser Gruft bestattet und können für 5€ Eintritt besichtigt werden.
Fotografieren ist nicht erlaubt, von daher habe ich nur Bilder die öffentlich verfügbar sind - wenn man nach Bildern der Mumien von Palermo googelt, bekommt man jedoch einen guten Eindruck.
Diese Gruft wurde im 16. Jahrhundert angelegt, als die Mönche des Kapuzinerordens feststellten, dass die natürlichen Bedingungen in den unterirdischen Kammern eine bemerkenswerte Konservierung der Leichen ermöglichten. Die Mönche begannen, ihre verstorbenen Brüder in diesen Katakomben zu bestatten, aber schon bald wollten auch wohlhabende Bürger Palermos dort ihre letzte Ruhe finden. - so hatten sie die Möglichkeit den geliebten Menschen weiterhin zu sehen, mit ihm zu sprechen, ihn zu „besuchen“, so als ob er immer noch Teil der Welt der Lebenden wäre.
Es ist die skurrilste Grabstätte die wir je besichtigt haben. Und ein eigenartiges Gefühl zusammen mit 2000 Leichen zu sein, die hier bekleidet in ihren besten Gewändern ihre letzte „Ruhe“ gefunden haben. Darunter Männer, Frauen, Kinder und ganze Familien.
Der Friedhof wurde eigentlich 1880 geschlossen.
Ausnahmsweise wurden jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch zwei weitere Leichen aufgenommen: Die letzte im Jahr 1920, war die der kleinen Rosalia Lombardo, die im zarten Alter von zwei Jahren starb und heute als „schönste Mumie der Welt“ gilt. Dank eines einzigartigen Einbalsamierungsprozesses, der lange ein Rätsel blieb, ist Rosalias Körper außergewöhnlich gut erhalten.